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Sport & Freizeit

Immer am Ball bleiben

Dribbeln, Sprinten, Passen. Auf dem Trainingsplatz vom FC St. Pauli wird konzentriert gearbeitet. Direkt danach stellt sich Abwehrspieler Jan-Philipp Kalla lässig, aber genauso konzentriert und geduldig meinen Fragen. Mit seiner coolen Mütze wirkt er wie der nette Junge von nebenan und nicht wie der große Fußballstar. Total sympathisch. Der zweifache Vater, im August 28 Jahre alt geworden, spielt seit 11 Jahren für den FC St. Pauli. In h20 spricht er über seine Heimatverbundenheit, seine Träume und seine Familie.

 
 
Maximilian Meyer: Jan-Philipp, wem hast du eigentlich deinen Spitznamen „Schnecke“ zu verdanken?
Jan-Philipp Kalla : Meine Eltern haben mich als kleines Kind schon so genannt. Das hat sich bis heute in den Fußball herein gehalten.
Maximilian Meyer: Wann hast du angefangen, Fußball zu spielen?
Jan-Philipp Kalla : Mit meinem acht Jahre älteren Bruder war ich immer auf den Sportplätzen Hamburgs unterwegs. Mit vier habe ich angefangen, bei Concordia zu spielen. Ich war einer der Jüngsten im Verein, das war aber kein Nachteil für mich.
Maximilian Meyer: Bist du zufällig bei St. Pauli gelandet oder wolltest du schon immer für diesen Verein spielen?
Jan-Philipp Kalla : Als echter Hamburger Jung wollte ich schon immer in der Stadt, in der ich geboren wurde, Fußballspielen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und erst bei einem kleineren Verein gespielt. Ich wurde dann entdeckt und bin zum HSV gewechselt. Nachdem es dort keine Zukunft mehr für mich gab, habe ich wieder für Concordia gespielt, bis der Anruf vom FC St. Pauli kam. Da war ich natürlich begeistert. Nach ein, zwei Probetrainingseinheiten habe ich dann hier angefangen.
Maximilian Meyer: Wer hat dich entdeckt?
Jan-Philipp Kalla : Das war Andreas Bergmann, er war damals Jugendkoordinator, ist später Trainer und sogar Profitrainer geworden.
Maximilian Meyer: Wie ist denn generell die Jugendarbeit beim FC St. Pauli? Hat sich da etwas verändert?
Jan-Philipp Kalla : Wenn man die Entwicklung in dem Verein sieht, speziell auch in der Jugendarbeit, geht’s hier schon voran. Vor einem Jahr wurde das Jugendtalenthaus vom FC St. Pauli mit drei Sternen ausgezeichnet. Das ist die Bestnote vom DFB und DFL. Zu meiner Jugendzeit war es nicht denkbar, dass der FC St. Pauli so eine Auszeichnung vom DFB bekommt. Es kommen immer mehr Nachwuchsspieler, die bei den Profis mitreinschnuppern. Viel früher, als ich es damals so machen durfte. Es geht voran!
Maximilian Meyer: Was machst du in deiner Freizeit?
Jan-Philipp Kalla : : Ich hab‘ Familie. Meine zwei Kinder nehmen einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch, was aber auch sehr schön ist. Ansonsten gehe ich auch gerne mal golfen. Nicht immer eine 18-Loch-Runde, sondern einfach nur ein paar Bälle wegschlagen, um den Kopf freizukriegen. Ich gehe meistens an die Elbbrücken.
Maximilian Meyer: Was war dein Lieblingsfach in der Schule?
Jan-Philipp Kalla : Sport. Ich war leidenschaftlicher Sportler und bin es immer noch! Das war das einzige Fach, wo ich keine Stunde verpasst habe.
Maximilian Meyer: Welchen Schulabschluss hast du?
Jan-Philipp Kalla : : Ich habe einen Realschulabschluss. Meine Lehrer meinten, in mir würde noch viel mehr stecken, wenn ich nur nicht immer so viel an Fußball denken würde. Ich hab‘ versucht, einen Mittelweg zu finden, um mich mehr der Schule zu widmen. Als jugendlicher Leistungssportler stand der Fußball aber für mich an erster Stelle.
Maximilian Meyer: Wie gehst du mit Kritik um, z.B. vom Trainer oder von der Presse?
Jan-Philipp Kalla : Man muss lernen, damit umzugehen. Das ist nicht immer leicht. Am Anfang war es am schwersten. Profifußballer ist halt ein Beruf, wo andere über dich urteilen, über alles, was du machst. Aber die Kritik aus den Medien versuche ich, nicht mehr an mich ranzulassen. Entscheidend ist nämlich immer noch, was der Trainer sagt.
Maximilian Meyer: Ist euer Training sehr hart? Hast du noch manchmal Muskelkater?
Jan-Philipp Kalla : Unser Trainer ist leider der Meinung, dass wir eine Mannschaft sind, die sehr viel trainieren muss. Wir sehen das alle etwas anders, aber das gehört nun mal dazu. Wir hatten jetzt zwei Stunden knackiges Training mit vielen Zweikämpfen und Sprints.
Maximilian Meyer: Bist du manchmal schadenfroh, dass der HSV so gegen den Abstieg kämpfen musste? Oder interessiert dich das gar nicht?
Jan-Philipp Kalla : Es interessiert mich schon. Ich bin nicht schadenfroh, ich habe sogar ein bisschen Mitleid mit den Spielern.
Maximilian Meyer: Wie findest du, dass es immer mal wieder zu Krawallen bei Fußballspielen kommt, z. B. Schlägereien oder Feuerwerkskörper?
Jan-Philipp Kalla : Generell geht Gewalt im Fußball gar nicht! Für uns Spieler sieht Pyrotechnik schon ganz nett aus, es ist aber viel zu gefährlich, da es sich nicht kontrollierbar abbrennen lässt.
Maximilian Meyer: Hast du eine Idee, wie man das verhindern kann?
Jan-Philipp Kalla : Ich weiß nicht, ob man es verhindern kann. Für die Pyrotechnik würde ich vielleicht einen extra Block öffnen, wo Pyrotechnik gezündet werden darf.
Maximilian Meyer: Was macht euer Verein gegen Fans, die sich danebenbenehmen und andere gefährden?
Jan-Philipp Kalla : Ich glaube, da wird schon hart dran gearbeitet, dass in den Stadien nichts mehr passiert. Wir setzen uns mit unseren Fanclubs zusammen. Einfach, um generelle Dinge anzusprechen. Unsere Fans unterstützen uns aber auch, diese Leute zu stoppen.
Maximilian Meyer: Was hättest du gemacht, wenn es mit deiner Profikarriere nicht geklappt hätte? Hattest du einen „Plan B“?
Jan-Philipp Kalla : Ich habe eine Ausbildung als Speditionskaufmann gemacht und auch 1 ½ Jahre im Beruf gearbeitet, weil ich damals (mit 17) noch keinen Profivertrag unterschreiben konnte. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich die Ausbildung durchgezogen habe. Mein damaliger Chef hat mir auch einen Vertrag für 20 Stunden die Woche mit flexiblen Arbeitszeiten angeboten, damit ich am Ball bleibe, falls es mit der Profikarriere doch nicht hinhaut. Ich glaube, ich habe alles richtig gemacht!
Maximilian Meyer: Hast du Pläne für die Zeit nach deiner Fußballkarriere?
Jan-Philipp Kalla : Jein, ich habe im Gegensatz zu vielen anderen Fußballern eine Lehre gemacht und hätte dann noch eine Chance, wieder in den gelernten Beruf einzusteigen. Obwohl es sicher nicht leicht wäre, nach 15 Jahren wieder den Einstieg zu finden. Ich habe auch mal über ein Fernstudium nachgedacht, aber diese Art des Lernens ist nicht das Richtige für mich. Ich könnte mir auch vorstellen, als Trainer zu arbeiten.
Maximilian Meyer: Hast du Angst vor Verletzungen oder denkst du gar nicht darüber nach?
Jan-Philipp Kalla : Ich hatte zum Glück noch nie eine große Verletzung. Wenn man mit der Angst, sich zu verletzen, ins Spiel geht, verletzt man sich, glaube ich, auch. Je weniger man daran denkt, desto besser ist das. Deshalb denke ich gar nicht drüber nach.
Maximilian Meyer: Wie findest du die „Kiezhelden“-Aktion von St. Pauli?
Jan-Philipp Kalla : Ich finde die Aktion super. Ich bin auch Pate und habe schon die eine oder andere Aktion für Viva con aqua oder die Lampedusa-Flüchtlinge unterstützt. Ich würde sie jedem empfehlen, der sich auch sozial engagieren möchte.
Maximilian Meyer: Gibt es noch andere soziale Projekte, die du unterstützt?
Jan-Philipp Kalla : Die Björn Steiger Stiftung, Unicef, aber auch noch andere Projekte, für die ich spende.
Maximilian Meyer: Wie findest du den St. Pauli-Song von Jan Delay?
Jan-Philipp Kalla : Ich finde den Song „Auf St. Pauli brennt noch Licht“ gut, man könnte ihn auch sportlich sehen, weil wir immer noch mit einem Auge auf den Aufstieg schauen.
Maximilian Meyer: Was hörst du sonst für Musik?
Jan-Philipp Kalla : Querbeet, aber ich bin nicht so der Klassik-Fan.
 

h20: Gehst du gern auf Konzerte?

Jan-Philipp: Das mache ich viel zu selten. Mein letztes Konzert war im September 2013 im Stadtpark. Da war ich bei Pur. Das muss auch immer mit dem Spielplan passen.

h20: Was für ein Auto fährst Du?

Jan-Philipp: Ich fahre aus praktischen Gründen einen Toyota Avensis Kombi. Da haben meine Kinder Platz. Der Kofferraum ist groß genug für einen Kinderwagen.

h20:
Was wäre dein Traumauto?

Jan-Philipp: Früher war es ein BMW X5, mittlerweile finde ich eine alte Corvette cool.


h20: Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Jan-Philipp:
Ich lese gerade zwei Bücher gleichzeitig. Eine Biografie von Pep Guardiola und „Coma“, einen Roman über einen Golfspieler.

h20:
Was ist dein Lieblingsessen?

Jan-Philipp: Pfannkuchen.


h20: Schaust du dir auch mal eine andere Sportart außer Fußball live an?

Jan-Philipp: Ich gucke mir manchmal Spiele vom HSV-Handball oder Eishockey der „Freezers“ an.

h20: Was hältst du eigentlich von Frauenfußball? Guckst du das?

Jan-Philipp: Ich schaue es mir schon an, gerade speziell zur WM- und EM-Zeit. Aber generell versuche ich, in meiner Freizeit wenig Fußball zu gucken. Da ich fast jeden Tag Fußball spiele, muss ich es nicht unbedingt im Fernsehen haben.

h20: Hast du einen Lieblingsort in Hamburg?

Jan-Philipp:
Ich finde den Stadtpark wunderschön. Ich wohne da auch in der Nähe und finde, dass das einer der schönsten Orte in Hamburg ist.

h20:
Wo machst du am liebsten Urlaub und mit wem?

Jan-Philipp: Mit meiner Familie war ich die letzten drei Jahre in Andalusien. Dort hat es den Kindern (4 ½ und 2 ½ Jahre alt) immer sehr gut gefallen.

h20: Wieviel Urlaub bekommst du eigentlich?

Jan-Philipp: Ich bekomme nur drei Wochen in der Sommerpause.

h20:
Wie findest du es, dass dich dein Verein einfach verleihen oder verkaufen kann? Kommst du damit klar oder ist das für dich moderner Menschenhandel?

Jan-Philipp:
Letztendlich gehören da immer zwei dazu. Der Verein kann sagen: „Such dir bitte was anderes oder hier spielst du nicht mehr, du darfst nicht mehr mittrainieren!“ Aber woanders unterschreiben musst immer noch du selber. Man hat auch immer ein Mitspracherecht. Es ist letztendlich wie bei jedem anderen Arbeitgeber. Ich brauchte mich mit dem Thema zum Glück noch nicht beschäftigen. Mein Vertrag läuft bis zum Sommer nächsten Jahres und ich hoffe, es geht dann hier auch noch weiter für mich. Freiwillig würde ich meine Zelte hier nicht abbrechen.

h20:
Hast du einen Wunsch für die Zukunft?

Jan-Philipp:
Ich möchte gerne mal etwas länger nach Hawaii fliegen. Ein paar Inseln anschauen, surfen, einfach nur genießen.

h20:
Wie viele Facebook-Freunde hast Du?

Jan-Philipp:
Ich nutze Facebook nur privat und deshalb würde ich deine Freundschaftsanfrage nicht annehmen.

h20:
Spielen deine Kinder auch schon Fußball oder sind sie noch zu klein?

Jan-Philipp: Mein großer Sohn ist begeisterter Fußballer und sehr talentiert. Er möchte gerne Torwart werden und wird, nachdem er mit seinem Schwimmkurs fertig ist, auch in einem Verein angemeldet.

h20:
Bist du ein strenger Vater?

Jan-Philipp: Zuckerbrot und Peitsche! (Lacht) Ich glaube nicht, dass ich ein strenger Vater bin. Aber ich lasse meinen Kindern auch nicht alles durchgehen.

h20: Hast du einen Tipp für Kinder und Jugendliche, was man tun muss, um auch Profifußballer zu werden?

Jan-Philipp: Immer am Ball bleiben! In meiner Jugendzeit habe ich mit einigen zusammengespielt, die deutlich talentierter waren als ich. Die aber das Ziel, Profifußballer zu werden, aus den Augen verloren haben, weil sie lieber auf Partys wollten. Ich habe mich ganz auf den Fußball konzentriert.

h20:
Eine letzte Frage: Glaubst du, dass ihr in der nächsten Saison den Aufstieg erreicht?

Jan-Philipp: Im Fußball ist alles möglich und abgerechnet wird zum Schluss!

Steckbrief von Jan-Philipp Kalla


geb. am: 6.08.1986

Nationalität: deutsch

Größe: 1,80 m

Im Verein seit: 2003

Bisherige Vereine: FC St. Pauli, Hamburger SV, SC Concordia

Rückennummer: 27

Position: Abwehrspieler


Kiezhelden-Projekt vom FC St. Pauli
Helfen macht glücklich. Mit diesem Motto versucht der Verein, zu handeln. Mit KIEZHELDEN will der FC St. Pauli Kräfte bündeln und Menschen mit guten Ideen zusammenbringen.
Bisherige Kurzprojekte auf KIEZHELDEN:
•Humanitäre Hilfe für afrikanische Flüchtlinge
Unterstützung der Lampedusa-Flüchtlinge mit Dingen des täglichen Bedarfs
•Sporthalle für alle
Bau von Hamburgs erster umfassend behindertengerechter Sporthalle
•Spendenlauf: St. Pauli goes Nepal
Unterstützung eines Trinkwasserprojekts von Viva con agua in Nepal
•Der KULT
Fußballturnier für eine Welt ohne Menschenverachtung
•Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus - Stadionbande
Installation einer dauerhaften Stadionbande: „Football has no gender“
•Eine Mahlzeit im CaFée mit Herz
Kostenlose Mahlzeiten für Bedürftige
Falls Ihr mehr über „Kiezhelden“ wissen oder selbst aktiv werden wollt, könnt Ihr Euch auf der Homepage vom FC St. Pauli informieren: www. fcstpauli.com

 
 
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