Drucken

Schule & Projekte

Veddel! GESTERN HEUTE MORGEN

Wenn man zwölf Schüler der Schule auf der Veddel vor die Frage stellt „Was verbindest du mit der Veddel?“, kommen schon mal alle Vorurteile zusammen, die sie oft zu hören bekommen: „Die Veddel - assig und dreckig“. Aber wer genau hinhört, spürt die Nähe der Schüler zu ihrem Stadtteil fernab aller Klischees. Gemeinsam mit der BallinStadt wurde während der Praxislerntage im vergangenen Schuljahr eine Ausstellung entwickelt, die das Leben der Jugendlichen in ihrem Stadtteil, aber auch ihre Wünsche und Sehnsüchte spiegelt. Das Ergebnis des Projektes war eine kontroverse, aber durchaus unterhaltsame und überraschende Ausstellung.

 
 

Ein Jahr lang

waren wir jeden Freitag von 8-13 Uhr im Praxislerntag. Das ist unsere erste Berufsvorbereitung gewesen. Wir haben viel Zeit im Museum verbracht, haben aber auch für unsere Recherchen und Interviews andere Orte besucht. Dabei trafen wir viele interessante Menschen. Zunächst haben wir die verschiedenen Berufe des Ballinstadts Museums kennengelernt. Von der Historikerin bis zum Techniker gibt es ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche in diesem Museum, die alle wichtig sind. Mit der Ausstellung haben wir uns lange beschäftigt. Es hat uns überrascht, dass Millionen Menschen aus Europa vor allem nach Amerika ausgewandert sind. Diese Lebensgeschichten der Auswanderer sind so spannend wie ein Krimi!

Mit uns selbst hat das viel zu tun, denn wir sind zwölf Schüler und Schülerinnen und kommen aus zehn verschiedenen Ländern. So haben wir uns auch mit unseren Lebensgeschichten beschäftigt und unsere Eltern gefragt, warum sie ihre Heimatländer verlassen haben und nach Deutschland gekommen sind. Dann haben wir mit der Planung für unsere eigene Ausstellung „Veddel-heute-gesternmorgen“ begonnen. Dazu mussten wir viele Informationen sammeln. Obwohl wir in diesem Stadtteil leben, war uns erst nach dem Rundgang mit dem Politiker Klaus Lübke (SPD) klar, was es alles an Problemen gibt und wie sie gelöst werden sollen. Wir wollten zeigen, wie der Stadtteil früher war (1950), wie er heute ist und was wir uns für die Zukunft wünschen und vorstellen.

Aber wie kriegen wir das hin?

Bauen und malen? Fotos machen? Filme drehen? Am besten alles! Zu den fünf Themenbereichen Essen, Wohnen, Technik, Ein-und Auswanderung und Spielen haben wir all das gemacht, Ideen gesammelt und Pläne gezeichnet. Das hat ganz schön lange gedauert. Manchmal waren wir echt müde am Ende des Tages und konnten uns nicht so vorstellen, dass wir das alles schaffen. Aber die tollen Mitarbeiter vom Museum und unsere Lehrerinnen haben uns immer wieder motiviert, mal mit Schimpfen, aber meistens mit Lob. Unser Projekt hat 27.000 € gekostet. Deshalb haben wir eine PowerPoint- Präsentation gemacht und haben mit den Leuten vom Museum Firmen besucht, um Sponsorengelder zu bekommen. Das war total aufregend! Es sind hohe Summen gespendet worden. Darauf sind wir voll stolz. Ab Januar 2014 haben wir an unseren Exponaten gebaut. Unsere Ausstellungsfläche war nämlich ca. 150 qm groß. Unser größtes Exponat war ein riesiges Modell von der Veddel.

Es war 4 x 4 Meter groß. Es sollte den Menschen, die unseren Stadtteil nicht kennen, die Veddel zeigen, damit sie sich vorstellen können, wie es hier aussieht. Darauf konnte man Häuser, Geschäfte und Informationen über die Veddel finden. Dafür mussten wir viele Häusermodelle ausschneiden und zusammenbauen. Das war eine ganz schön fummelige Arbeit und hat lange gedauert. Als nächstes haben wir ein Memory gebaut. Dafür haben wir Bilder von Orten auf der Veddel von früher im Internet gesucht und Fotos von den Plätzen, wie sie heute aussehen, gemacht. Dann haben wir in einer Holzwerkstatt in Harburg den Rahmen für die Bilder gebaut. Wir mussten auch 20 Platten sägen, auf die wir die Fotos geklebt haben. Am Ende wurden alle Teile zusammengebaut. Dabei haben wir gelernt, wie man eine Skizze zeichnet und dann den Maßstab umrechnet. Wir haben große Buchstaben für das Wort VEDDEL in der Werkstatt im Museum gesägt geschliffen und bunt gestrichen. Wir wissen jetzt, wie man die Werkzeuge in der Werkstatt benutzt, z.B.: Bohrmaschine, Säge und Schleifpapier.

Später haben wir einen Lernhelm für das Lernen in der Zukunft gebaut. Er besteht aus einem Fahrradhelm und Plastilin. Plastilin ist wie Ton, aber zum Trocknen muss Plastilin nicht im Ofen gebrannt werden. Dann haben wir Raketenschuhe gebaut, mit denen man später ganz schnell von einem Ort zum anderen fliegen kann. Wir haben an Inlineskates Red-Bull-Dosen geklebt und die Skates dann mit schwarzer, roter und goldener Farbe besprayt. Wir haben viele Videos gedreht. Zu unserem Thema Spiele haben wir gezeigt, welche Spiele die Kinder früher gespielt haben. Wir haben gefilmt, wie wir Spiele von heute spielen und uns überlegt, welche Spiele man in der Zukunft spielt. In der Schule haben wir gefilmt, wie wir im Unterricht mit dem Smartboard arbeiten, weil viele Erwachsene dieses Gerät gar nicht kennen. Zum Thema Leben haben wir einen Film über das Wohnen in der Zukunft gedreht, in dem ein Enkel seiner Oma berichtet, welche tollen Geräte es bei ihm in der Wohnung der Zukunft gibt, die ihm im Alltag helfen.

Auf der Veddel gibt es viele Wohnungen neben den Bahnschienen. Wenn die S- Bahn oder Züge vorbeifahren, ist es sehr laut und Lampen und Sofas in den Wohnungen wackeln. Wir haben dafür eine Lärmschutzwand gestaltet, für die jeder eine Folie mit einem Bild bemalt hat. Davor haben wir ein Sofa gestellt, das alle zwei Minuten vibriert, als würde eine S- Bahn vorbeifahren. Die feierliche Eröffnung unserer genialen Ausstellung (6. Juni - 1. Juli) war ein riesiger Erfolg! Zur Eröffnung waren 90 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur da. Der Schulsenator Thies Rabe hat sogar eine Rede gehalten. An diesen Tag werden wir noch lange denken.

 
 
 

Schlagwörter