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Schule & Projekte

Eigentlich bin ich ja immer gut drauf ...

Endlich ist es soweit: Heute sollen wir nun Eko Fresh kennenlernen und ihn befragen dürfen! Die letzten Vorbereitungen sind getroffen als es auch schon an der Tür klingelt. Und da steht er vor uns. Nach einem anstrengenden Tag im Studio und einer sich anbahnenden Erkältung hat er sich trotzdem die Zeit genommen uns in der k50-Redaktion zu besuchen. Und es hat sich gelohnt, wir haben Spannendes erfahren …

 
 
k50: Wie sieht’s aus, freust du dich auf deine Tour?
Eko Fresh: Ja, ich freue mich sehr auf die Tour. Vor etwa vier Jahren haben wir mit Konzerten angefangen, was komplett neu für mich war. Das musste ich mir ganz neu erarbeiten, aber man sieht eine Steigerung mit jedem Jahr. Die Locations werden größer, es kommen mehr Leute … Damit trage ich natürlich gleichzeitig auch eine große Verantwortung, weil ich der Hauptact bin. So eine Tour hat also einerseits eine „Stressseite“, aber eben auch eine „schöne Seite“. Wenn man auf der Bühne steht, dann weiß man, dass die Leute nur wegen einem selber da sind. Das sind dann nur meine Fans und das ist ein gutes Gefühl.
k50: Wieso hast du dir Mo Trip als Partner ausgesucht?
Eko Fresh: Wir sind uns sehr ähnlich. Er ist auch ein Immigrant, macht aber trotzdem sehr deutschen Hip Hop. Und so sehe ich mich auch. Wir stehen beide für dasselbe, wir rappen jetzt nicht so „hart“ mit Beleidigungen oder mit dieser Straßenattitüde. Wir rappen eigentlich mehr über Themen und ich dachte, das passt gut zusammen.
k50: Was ist für dich das Spannendste an einer Tour?
Eko Fresh: Die Vorverkäufe sind sehr spannend. Dann sieht man schon, in welchen Städten es so richtig toll wird. Außerdem freut man sich auch immer darauf, vor so vielen Leuten zu performen. Ein besonderes Highlight für mich ist natürlich mein Auftritt in Köln.
k50: Spielst du generell lieber live oder bist du lieber im Studio?
Eko Fresh: Ich bin auch gerne im Studio, live aufzutreten ist immer mit sehr viel Anstrengung verbunden. Andererseits ist der ganze Stress auch wieder vergessen wenn man dann auf der Bühne steht. Live bekommt man direkt Feedback vom Publikum. Wenn man was im Studio aufnimmt kann man vielleicht mal den Tonmann fragen, wie er es fand, aber das ist nicht zu vergleichen mit dem Feedback der Fans.
k50: Wie entsteht ein Lied von dir? Wer oder was inspiriert dich zum Schreiben?
Eko Fresh: Ich habe schon sehr viele Tracks gemacht, vor allem in den letzten Jahren. Von daher ist es für mich immer wieder eine Herausforderung, etwas zu machen, was den anderen und mir selber gefällt und was es so noch nicht gab. Wenn mich Themen direkt ansprechen oder beschäftigen, verarbeite ich die gerne zu Songs.
k50: Wo schreibst du deine Texte?
Eko Fresh: Eigentlich immer zu Hause. Es gibt natürlich auch Situationen in denen man ein Feature unterwegs im Auto zwischen Tür und Angel schreibt oder im Studio vor Ort. Die Texte für mein Album und die Themen überlege ich mir aber zu Hause. Das Schreiben der Songs hat auch viel mit Taktik zu tun, die Reihenfolge, in der man Lieder veröffentlicht ist sehr wichtig. Zuerst macht man eigentlich das, von dem man weiß, dass es die Grundfanbase befriedigt und dich selber auch. Als Rapper hat man ja auch immer dieses „Competition-Ding“. Meistens ist das dann der erste Song den ich mache, um zu zeigen: „Jo, ich hab’s immer noch drauf!“. Danach kann man dann ein bisschen mehr auf die Themen eingehen, vielleicht auch mal einen kommerzielleren Song machen oder einen für die Ladies (lacht).
k50: Wie gehst du mit deinem Erfolg um? Wirst du auf der Straße oft erkannt?
Eko Fresh: Mittlerweile würde ich fast sagen, ich kenne das gar nicht mehr anders, weil ich ja sehr jung da rein geraten bin. Und klar, es gibt auch Tage an denen einen das ankotzt, weil man ja auch nur ein Mensch ist. Manchmal ist man nicht gut drauf, aber man muss dann eben trotzdem funktionieren. Es ist wichtig, professionell genug zu sein, um die schlechte Laune zu verbergen ... Aber eigentlich bin ich ja immer gut drauf (grinst). Außerdem habe ich mir irgendwann gesagt, warum hast du das Rapper-Sein angefangen, wenn dich das stört, dass du erkannt wirst? Das ist ja widersprüchlich. Man kann froh sein, dass die Leute einen erkennen.
k50: Gehst du heute anders mit dem Erfolg um, als früher?
Eko Fresh: Ja, sehr. Als Jugendlicher habe ich das total genossen, fand das natürlich auch cool und so weiter. Aber mittlerweile ist mir das teilweise sogar unangenehm im Mittelpunkt zu stehen. Ich versuche manchmal solche Situation zu vermeiden, während ich mich früher richtig gefeiert habe ... oder habe feiern lassen (lacht). Irgendwann wächst man aber da raus.
k50: Wolltest du schon immer Rapper werden?
Eko Fresh: Ja, das war eigentlich so der erste Traum den ich hatte und das hat ja dann auch direkt geklappt (lacht). Da brauchte ich dann nichts anderes mehr zu versuchen. Aber man muss dazu sagen, dass es nicht immer einfach war. Dadurch, dass ich schon als Jugendlicher Erfolg hatte, war es schwer für mich, als Erwachsener akzeptiert zu werden. Gerade in der Musikbranche ist es selten und schwer, zwei Chancen zu bekommen. Es war ein großes Unterfangen und hat auch einige Jahre gedauert. Aber ich nehme das jetzt auch ganz anders wahr. Ich bin viel dankbarer. Früher hab ich das alles als selbstverständlich angesehen.
k50: Wie sieht ein ganz normaler Tag bei dir aus?
Eko Fresh: Es kommt drauf an. Wenn ich mal nichts zu tun habe bin ich meistens zu Hause. Ich habe ja auch einen Hund. Ich versuche dann irgendwie abzuschalten, gucke Serien oder irgendwelche Filme. Meistens habe ich aber etwas zu tun, bin unterwegs oder habe Termine. Wir sind auch oft im Büro, um Sachen wie kommende Termine oder Kampagnen zu besprechen. Im Prinzip ist es schon eine Art 24-Stunden-Job, weil ich selber die Marke bin, die man promoten muss und die einem das Essen auf den Tisch bringt.
k50: Was hältst du von Internetbattles wie dem VBT? Denkst du dass so was die „alte Hip-Hop-Kultur zerstört?

Eko Fresh: Das ist ja eigentlich alte Hip-Hop-Kultur. Das ist nur jetzt durch das Internet auf dem neusten Stand, aber eigentlich finde ich es cool. Ich finde alles cool, wo man durch Ideen, durch sein Können weiterkommt. Ich mag Sachen nicht, die zu gekünstelt oder zu krass ausgedacht sind. Hip-Hop ist Beliebtheitswettbewerb geworden. Als ich das angefangen habe, ging es darum, wer das am besten kann. Handwerklich. Und dadurch habe ich es rein geschafft. Ich finde es Schade, dass sich heutzutage alle was ausdenken und vielleicht gar nicht so gut rappen, aber ankommen, weil sie voll krass auf die Kacke hauen oder ein Kostüm anhaben. Das finde ich nicht so toll.


k50: Wir haben gehört, dass du deinen Führerschein hast. Herzlichen Glückwunsch!

Eko Fresh: Dankeschön!

k50: Was war der Auslöser, dass du ihn jetzt noch gemacht hast?

Eko Fresh: Ich wollte den immer schon machen. Aber in den Jahren als meine Freunde Führerschein gemacht haben bin ich in die Musikbranche gekommen. Dann war ich so viel unterwegs, dass ich gar nicht mehr darüber nachgedacht habe. Und dazwischen war mir das nicht so wichtig. Jetzt habe ich ihn in einem Crashkurs gemacht und bin froh darüber. Du bist ein bisschen unabhängiger.


k50: Was hörst du selber so für Musik?

Eko Fresh: Ich höre eigentlich ein bisschen querbeet. Wenn ich Hip-Hop höre, höre ich meistens den Hip-Hop, den ich früher schon gehört habe. Die neuen Sachen höre ich mir zwar auch an, aber eher aus informativen Gründen. Um auf dem neusten Stand zu sein. Es gibt auch neue Sachen, die ich feiere, aber in meiner Freizeit. Wenn ich in meinem Auto bin höre ich meine Oldschoolsachen. Die sind ja mittlerweile Oldschool (lacht)!
k50: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? 

Eko Fresh: Hoffentlich rosig (lacht). Mal schauen. Es gibt ein in paar Sachen, die ich unbedingt noch ausprobieren will. Was ich mir zum Beispiel wünschen würde ist bei den ganzen Festivals stattzufinden. Das ist noch ein Schritt, den ich gehen will. Zum Beispiel beim Splash!, Frauenfeld, HipHop Open und so. Ansonsten möchte ich gerne mal wieder eine Hitsingle landen, nicht nur ein Hitalbum. Ich würde gerne im Radio mit einem Lied laufen, was sehr schwierig ist. Das sind so ein paar Sachen, die ich noch gerne machen würde und wo ich denke: „Hey, das kannst du auf deine alten Tage nochmal packen.“


k50: Aber du bleibst schon der Musik treu oder?
Eko Fresh: Ja, aber es gibt schon einige Sachen, die ich auch gern einmal machen würde. Schauspielerei zum Beispiel. Aber mein Ding, von dem alles kommt, das ist die Musik. Das ist meine Stärke und das will ich auf jeden Fall weitermachen.
k50: Danke für das Gespräch!
Eko Fresh: Kein Thema.
 

Steckbrief: Eko Fresh, geboren am 3. September 1983, ist ein deutscher Rapper. Entdeckt wurde er bereits im Alter von 16 Jahren, wobei er den Rapper Kool Savas kennenlernte. Durch ihn konnte er 2001 seine erste EP „Jetzt kommen wir auf die Sachen“ veröffentlichen. 2003 kam es zur Trennung von Kool Savas und mehrere Solo-Alben folgten. Im August 2013 erschien sein neues Album „Eksodus“, das Platz 1 der deutschen Charts erreichte. Zurzeit ist er mit Mo Trip als Partner auf Deutschlandtournee und spielt am 15. März und am 5. April in Köln. Und er dreht jetzt tatsächlich seinen ersten Film: Drei Türken und ein Baby.

 

Hier könnt ihr euch das Video zum Interview ansehen

 
 
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