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Schule & Projekte

Schule und Hausbesetzer. Nachbarschaft in der Barrikadenzeit.

Antonia Gerlach (Jg. 2000)// Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer Hamburg // Tutor: Thomas Hengst

 
 

Brennende Barrikaden, am Himmel kreisende Hubschrauber, am Boden Tausende von Polizisten –

und mittendrin eine Schule, deren Pulte, Stühle und Bänke für Barrikaden herhalten mussten. Im November 1987 eskalierten die jahrelangen Aueinandersetzungen um die besetzten Altbauten in der Hamburger Hafenstraße. Es drohten bürgerkriegsähnliche Zustände, hätte die Polizei die Barrikaden gestürmt. Für die 13-jährige Antonia Gerlach, die den nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Schule und Hausbesetzern auf den Grund ging, war der Geschichtswettbewerb eine Reise in eine schier unglaubliche Zeit.

Antonia Gerlach

Die Siebtklässlerin recherchierte unzählige Presseartikel, wertete die einschlägige Literatur aus und führte ingesamt acht Zeitzeugeninterviews, um möglichst viele Perspektiven auf ihr Thema zu erhalten. Sie sprach u. a. mit der damaligen Schulleiterin, dem Hausmeisterehepaar, einem Polizeibeamten, der als Zivilbeamter im Einsatz war, mit ehemaligen Hausbesetzern und dem damaligen Ersten Bürgermeister Hamburgs, Klaus von Dohnahnyi. Und sie fand heraus: Die Barrikaden haben Schule und Hausbesetzer einander näher gebracht. Denn beide Parteien waren nun gezwungen, gemeinsame Lösungen zu finden. Nach Ende der »Barrikadenzeit« starteten sie an der Hafenstraße sogar gemeinsame Projekte.

So gründete ein Hausbesetzer eine Fahrradwerkstatt, wo er bis heute den Schülern Verkehrunterricht gibt. Die Schule wiederum stellte eine frühere Aktivistin der Hafenstraße als Sekretärin ein. Und nicht zuletzt ziert eines der Schulgebäude seit 1990 ein großes Wandbild, das von den früheren Hausbesetzern gemeinsam mit den Schülern gestaltet wurde.

 

Nachbarn in der Geschichte« errungen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sie am 13. November in Schloss Bellevue persönlich für ihre Forschungsarbeit zu den Nachbarschaftskonflikten in der Hamburger Hafenstraße ausgezeichnet. Vier weitere Erste Preise gingen an Jugendliche aus Bielefeld, Chemnitz, Münster und Schönebeck. Sie sind mit je 2.000 Euro dotiert. Gewürdigt wurden auch drei Lehrerinnen und Lehrer für ihr herausragendes Engagement sowie Vertreter der erfolgreichsten Schulen im Geschichtswettbewerb. Den Wettbewerb gibt es seit nunmehr 40 Jahren. Er ist der größte historische Forschungswettbewerb für Jugendliche in Deutschland. Ausrichterin ist die Körber-Stiftung, die 500 Preise auf Landesebene und 50 Bundespreise ausgelobt hatte.

Konflikte, Toleranz und Engagement


Mehr als 5.000 Schüler hatten sich an der historischen Spurensuche zum Thema Nachbarschaft beteiligt und wurden dabei von über 700 Lehrern begleitet. In insgesamt 1.321 Beiträgen erforschten sie, wie vielfältig Nachbarschaft sein kann: von Konflikten und Ausgrenzung bis zu Toleranz und gegenseitiger Hilfe. »Die Teilnehmer zeigen, dass gelungene Nachbarschaft vom Engagement lebt. Wo unterschied¬liche Kulturen und Interessen zusammenkommen, braucht es Menschen, die sich für Toleranz, Offenheit und Wege zu einem friedlichen Miteinander einsetzen«, sagt Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung.

40 Jahre Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten


Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wurde 1973 durch den damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und den Hamburger Unternehmer und Stifter Kurt A. Körber ins Leben gerufen. Dem Aufruf, sich mit der Geschichte vor der eigenen Haustür auseinanderzusetzen, sind seitdem mehr als 130.000 Kinder und Jugendliche gefolgt. Die Gesamtzahl der eingereichten Arbeiten liegt bei über 28.000

Noch mehr Infos:

zum Geschichtswettbewerb:

www.koerber-stiftung.de

www.facebook.com/geschichtswettbewerb

 

zur HafenStraße:

de.wikipedia.org/wiki/Hafenstra

www.ndr.de/fernsehen

 
 
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