Drucken

Schule & Projekte

Gleiches Abi für alle ???

Im kommenden Jahr ist es so weit: 2014 macht der erste Schülerjahrgang in Hamburg das Zentralabitur. Jeder weiß, worum es geht - aber keiner weiß wirklich, wie er damit umgehen soll. Die h20-Reporterinnen Caroline Neppert und Melissa Kleist haben darüber mit Schulsenator Ties Rabe gesprochen.

 
 
h20: Herr Senator Rabe, Sie sind ein Befürworter des zentralen Abiturs. Warum?
Ties Rabe: Das Abitur ist sehr wichtig. Es entscheidet darüber, ob man studieren darf, ob man einen Ausbildungsplatz bekommt oder vielleicht nicht. Deswegen muss es gerecht zugehen und da kann es nicht sein, dass das Abitur an einigen Schulen einfacher ist als an anderen.
h20: Welche Vor- und Nachteile hat das Zentralabitur aus Ihrer Sicht?
Ties Rabe: Das zentrale Abitur macht den Abschluss in Hamburg gerechter. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Zentralabiturbestimmte Themen fordert und man sich deshalb auch darauf verlassen kann, dass diese im Unterricht auch behandelt werden, was man sonst nicht immer gewährleisten kann. Dadurch lernen die Schüler auch das Gleiche.Eine Schwierigkeit ist, dass die Freiheit der Lehrer und Lehrerinnen in einigen Bereichen einschränkt wird.Gerechtigkeit ist für mich jedoch das schwerwiegendste Argument.
h20: Wieso bauen Sie das zentrale Abitur nicht langsamer auf? So sind einige Schüler im ersten Jahrgang doch automatisch benachteiligt, da die Schulen ein unterschiedliches Bildungsniveau haben?
Ties Rabe: In den Hauptfächern gab es an allen Hamburger Schulen schon immer die gleichen Prüfungen. Neu ist, dass wir innerhalb Hamburgs ab 2014 auch die Nebenfächer angleichen wollen. Außerdem werden ab 2014 einige Aufgaben mit den Abituraufgaben in Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen übereinstimmen. Nur einige Aufgaben und auch nur in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Daran kann man sehr wohl erkennen, dass wir das zentrale Abitur schrittweise einführen und nicht von heute auf morgen das gleiche Abitur wie Bayern schreiben. Langfristig streben wir das Ziel an, auch die Aufgaben in den Nebenfächern mit anderen Bundesländern abzustimmen. Aber das ist ein Prozess, der bis zum Schuljahr 2018 / 2019 dauern wird.
h20: Viele Schülerinnen und Schüler sehen dem zentralen Abitur kritisch entgegen. Sie fürchten um ihre Profilklassen.
Ties Rabe: Meiner Meinung nach ist das unberechtigt, weil jede Profilklasse nach einen bestimmten Lehrplan unterrichtet wird. Dieser Lehrplan ist von der Schulbehörde aufgeschrieben worden. In diesem Lehrplan steht, was man unterrichtet und was nicht. Er bietet Freiheiten, aber er definiert auch die notwendigen Themen. Der Lehrplan soll für alle ein gleiches Grundwissen sichern. Wer nach diesem Lehrplan unterrichtet wurde, braucht nichts zu befürchten. Im Moment lässt sich wirklich schwer sagen, ob die Profile durch das zentrale Abitur gefährdet sind. Diejenigen Schulen, die bislang nicht nach dem Lehrplan unterrichtet haben, dürfen etwas später in das zentrale Abitur starten.
h20: Wie wäre Ihre Einstellung gegenüber dem zentralen Abitur, wenn Sie selber davon betroffen wären?
Ties Rabe: Ich bin betroffen, meine Tochter geht in Hamburg zur Schule. Sie ist in dem ersten Jahrgang, der genau dieses zentrale Abitur absolvieren muss. Aber im Grunde wären unsere Schüler auch betroffen, wenn Hamburg das Zentralabitur nicht einführen würde.
h20: Wieso das?
Ties Rabe: Mit dem Zeugnis muss man sich ja bewerben und nicht jeder studiert in Hamburg. Bei der Bewerbung in einem anderen Bundesland konkurrieren Hamburger Absolventen mit ehemaligen Schülern aus anderen Bundesländern. Wenn die Öffentlichkeit den Eindruck gewinnt, dass in Hamburg das Abitur „so lala“ ist, könnte es für uns problematisch werden. Deswegen helfen wir den Schülern durch die Einführung des Zentralabiturs
h20: Meinen Sie, dass immer noch das Klischee greift, die bayerischen Abiturienten seien schlauer als wir Hamburger?
Ties Rabe: Das Klischee kommt doch daher, dass der öffentliche Eindruck entstanden ist, dass es dort hohe Anforderungen gibt und bei uns nicht so hohe. Ich glaube, wenn Bayern das Zentralabitur einführt und viele andere Länder auch, Hamburg sich aber ausklinkt – dann unterstreichen wir, dass unser Abitur weniger wert ist als das Abituranderer Bundesländer.
h20: Immer wieder neue Schulreformen - was kommt noch alles auf uns zu?
Ties Rabe: Im Jahr 2000 wurde die erste PISA-Studie präsentiert und die deutschen Schüler waren im internationalen Vergleich nicht im Mittelfeld, sondern schlechter. Das können wir uns nicht leisten. Deshalb begann die Diskussion. Wir bekamen unheimlich viele Tipps und Anregungen - von Eltern, Lehrern und aus der Wissenschaft. Die Politik hat dann einen Reformen-Hype gestartet und nicht alles davon war klug. Langsam klärt sich die Lage. Wenn man die Bildungsqualität und den Schulerfolg verbessern will, so fanden wir heraus, dann braucht man gute Lehrer. Dass der Lehrer gut unterrichtet, ist viel wichtiger als die meisten anderen Fragen. Es ist nicht so wichtig, ob der Raum groß oder klein ist, ob die Wände gelb oder rot sind, ob die Klasse jahrgangsübergreifend lernt oder nicht. Deshalb denke ich, dass die Zahl der Schulreformen abnehmen wird, und wir uns mehr der Frage widmen werden, wie wir den Unterricht verbessen können.
 

Viel Dank für das Gespräch Herr Schulsenator Ties Rabe.

 
 
Es wurden noch keine Kommentare hinterlassen.

Eigenen Kommentar schreiben:

 

Schlagwörter