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Musik & Medien

Lustige Figuren, kindlicher Schein, harte Realität – „Das Kinderbuch erklärt den Krieg“

Das Bilderbuchmuseum Troisdorf zeigt in seiner neuen Sonderausstellung Kinderbücher, die sich mit dem ersten Weltkrieg befassen.

 
 

Mit Kinderbüchern assoziieren die Meisten lustige Geschichten von drolligen Figuren mit großen Augen und frechen Kommentaren. Kinderbücher sind lustig, sie vermitteln wichtige Werte und Normen, sie bringen zum Schmunzeln, Nachdenken und sie begeistern. Themen wie Gewalt und Krieg haben da nichts zu suchen – so unser heutiges Bild. Früher war das der Normalfall. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, erschienen in ganz Europa Kinderbücher, die sich mit genau diesem Thema beschäftigten: Krieg. 100 Jahre später, im modernen 21. Jahrhundert, schocken diese Bilder. Doch aus der Kinderliteratur der damaligen Zeit können wir viel lernen.

Troisdorf, in der Nähe von Köln: Hier steht das einzige Bilderbuchmuseum Europas. Nicht nur etliche Bilderbücher und das Janosch-Zentrum locken täglich Besucher nach Troisdorf, immer wieder gibt es Sonderausstellungen zu bestimmten Themengebieten. Die aktuelle beschäftigt sich mit dem ersten Weltkrieg.

„Das Kinderbuch erklärt den Krieg“ ist der Name der Sonderausstellung, die vom 3. August bis zum 12. Oktober im Bilderbuchmuseum Burg Wissem zu sehen ist. Rund 190 Kinder- und Jugendbücher aus ganz Europa sind ausgestellt. Dabei beschäftigt sich die Ausstellung auch mit der Vor- und Nachkriegszeit und gewährt einen interessanten Einblick in die damalige Kinderliteratur. Dass die Kinderbücher nicht nur zur Unterhaltung dienten, sondern gezielt als Propagandamittel benutzt wurden, wird schnell klar.

In einigen Büchern sind die Zustände an der Front erstaunlich realistisch dargestellt

Schon den Kleinen wurde patriotisches Denken und Chauvinismus anerzogen. In Frankreich beispielsweise erschien das Kinderbuch „Histoire du Petit Chaperon Rouge“ („Die Geschichte vom kleinen Rotkäppchen“), eine abgewandelte Form des altbekannten Märchens. Rotkäppchen (Frankreich) schafft es hier zusammen mit ihren Freunden Belgien, Großbritannien, Russland und Italien den bösen Wolf Deutschland zu besiegen. Und auch in Deutschland erschienen patriotische Bilderbücher. In „Hurra! Ein Kriegsbilderbuch“ von 1915 macht sich Klein-Willi mit seinem Gewehr Piffpaff auf zu Abenteuern an der Front. Dabei gelingt es dem kleinen Jungen mühelos seine Gegner zu besiegen.       

Doch neben solchen Werken, in denen das eigene Land als unbesiegbar und die Feinde als abgrundtief böse dargestellt werden, in denen Verständnis und Mitgefühl für den Gegner als unvorstellbar gelten, gibt es auch andere Bilderbücher. In einigen sind die Zustände an der Front erstaunlich realistisch dargestellt: kämpfende Soldaten, abgetrennte Körperteile und Blut sind zu sehen. Auch kritische Kinderliteratur ist zu finden. In Lothar Meggendorfers „Militärisches Ziehbilderbuch“ wird der militärische Drill ins Lächerliche gezogen, in anderen Werken wird Friede gefordert. Das Museum ermöglicht einen weiten Einblick in die damalige Literatur. Es informiert, aber stellt auch Fragen. Wie sehr beeinflussen uns Kinderbücher wirklich? Denn immerhin waren es die Kinder, die solche Bücher lasen und 1939 in den nächsten Krieg zogen...

Entstanden ist die Ausstellung in einer Kooperation des Bilderbuchmuseums Burg Wissem mit der Staatsbibliothek zu Berlin und Kinderbuchforscher Friedrich C. Heller. Die Exponate stammen aus der privaten Sammlung Hellers und dem Bestand der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek. Nicht nur Geschichtsfans können hier den ersten Weltkrieg von einer neuen Seite kennen lernen . „Das Kinderbuch erklärt den Krieg“ ist eine interessante Ausstellung für Jung und Alt und definitiv einen Ausflug nach Troisdorf wert.

Info // Burg Wissem, Bilderbuch Museum der Stadt Troisdorf, Burgallee 1, 53840 Troisdorf, Tel. 02241 - 884 14 21

 
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